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Fachzeitschrift für Industrielle Automation, Mess-, Steuer- und Regeltechnik

Software/Tools/Kits

Software/Tools/Kits Gegen den Fachkräftemangel Workflows strukturieren, optimieren und digitalisieren Typische Einsatzbereiche des Plant Assist Manager finden sich bei Eisenbahnkesselwagen/Tankkraftwagen und der Tankcontainerverladung. Dank flexibler Anpassungsmöglichkeiten eignet sich PAM überall da, wo strukturiertes, geführtes Arbeiten und digitale Dokumentation von Arbeitsprozessen Menschen entlasten oder elektronische Checklisten das Arbeiten vereinfachen. Ein Beispiel sind Audits. (Quelle Rösberg, 3dmentat/123RF) Autoren: Tino Bickel, Produkt Manager von PAM Rösberg Engineering GmbH und Dipl.-Betriebsw. (FH) Evelyn Landgraf, Marketing Rösberg Engineering GmbH www.roesberg.com www.livedok.com Wir hören es zwar nicht gern, aber tatsächlich hat ein Großteil der Fehler im industriellen Umfeld mit dem Menschen zu tun. Wenn komplexe, sicherheitskritische Prozesse zuverlässig ausgeführt werden sollen, sind hohe Konzentration und enorm detailliertes Fachwissen gefragt. Dieses Know-how ist in Firmen meist dezentral „gelagert“, in den Köpfen vieler langjähriger und erfahrener Mitarbeiter; wird einer krank oder geht in Rente, klaffen Lücken. Wissen zu zentralisieren ist ein Wettbewerbsvorteil für Firmen, Workflows genau unter die Lupe zu nehmen, zu optimieren und zu digitalisieren ein weiterer. Während Industrie 4.0 und Digitalisierung in aller Munde sind, sieht die Praxisrealität noch immer anders aus. Bei vielen Prozessen wie bspw. der Tankzugabfüllung wird vielerorts noch mit Papierchecklisten gearbeitet. Zwar erstellt man Aufträge im ERP-System digital, dann werden sie aber zur Abarbeitung ausgedruckt. Vor Ort erledigen Mitarbeiter den Abfüllprozess oftmals gemäß ihrer Erfahrung in einer von ihnen individuell festgelegten Reihenfolge. Dazu geben sie wichtige Auftragsdaten wie z. B. die Füllmenge manuell an Vorwahlzählern ein und notieren relevante Prozessinformationen handschriftlich. Diese werden im Nachhinein im ERP-System eingepflegt. Checklisten werden in der Praxis weder strukturiert abgearbeitet noch erfolgt die Protokollierung wirklich in Echtzeit. Bei der Übertragung relevanter Informationen entstehen so Medienbrüche oder ihre Erfassung wird gar gänzlich vergessen. Das erschwert die Rückverfolgbarkeit. Laufen Arbeitsprozesse über mehrere Schichten, kommt es dann leicht zu Irritationen oder möglichen Doppelarbeiten. Ein einfaches Beispiel: Die Nachtschicht befüllt einen Tank mit einem Gefahrstoff. Damit es bei der nächsten Befüllung mit einem anderen Gefahrstoff nicht zu kritischen chemischen Reaktionen kommt, ist ein gründlicher Spülvorgang aller Rohre unerlässlich. Dokumentiert die Nachtschicht nicht ausreichend, dass die Spülung durchgeführt wurde, wird die nächste Schicht diese aus Sicherheitsgründen nochmals vornehmen. Das kostet Zeit und Geld. Viele Fliegen mit einer Klappe Die Lösung: Rösberg hat mit dem Plant Assist Manager (PAM) eine Software entwickelt, mit der sich komplexe Arbeitsprozesse strukturiert durchführen, optimieren und einfach dokumentieren lassen. (Ein Praxisbeispiel bei der BASF im Kasten text). Das Schöne daran: Diese Lösung kann sich sehr schnell und vor allem einfach in jeden beliebigen Arbeitsprozess integrieren. Die Software lässt sich als Stand- Alone-Lösung nutzen und ist sehr einfach ohne großen Customizing Aufwand an Arbeitsprozesse anpassbar. Sie besteht aus zwei zusammenhängenden Teilen, die einen Auftrag, d. h. einen Arbeitsprozess von der Erstellung über die Durchführung bis zum Abschluss ausführen: Die PAM-Auftragsverwaltung und das PAM-Operating System (OS) (Bild 1). Die Auftragsverwaltung besteht aus der betriebsrelevanten Stammdatenbank mit weiteren administrativen Funktionen. Definierte Checklisten für betriebliche Arbeitsprozesse werden hier digital hinterlegt. Sie können für den jeweiligen Auftrag zusammen mit Detailinformationen zum Arbeitsprozess, wie der Produktverarbeitung, der Mengen, der Gefahrgutklassen, der Be- sowie Entladestelle und vielem mehr abgerufen werden. Auftragsbezogene Informationen werden via Schnittstelle (zu jedem beliebigen) ERP-System bezogen. Fehler vermeiden Bei besonders kritischen Workflows ist es möglich, dass Aufträge zuerst im Vier-Augen-Prinzip geprüft und dann erst freigegeben werden können. Nach der Freigabe kann der zu bearbeitende Auftrag am entsprechenden PAM Operating System (OS)-End gerät angenommen und abgearbeitet wer- 26 Einkaufsführer Produktionsautomatisierung 2019

Bild 1: Der Plant Assist Manager besteht aus zwei zusammenhängenden Teilen: PAM Auftragsverwaltung und PAM Operating System (OS) (Bilder: Rösberg) den. Dieses befindet sich in der Anlage vor Ort (im Ex- oder Non- Ex-Bereich) beispielsweise an einer Verladestation als Tablet-PC oder feste Bedienstation. Um den operativen Arbeitsprozess zu starten, authentifiziert sich der Mitarbeiter zuerst mit seinem eigenen RFID-Chip. Um Verwechslungen bei der Auftragsannahme zu vermeiden, besteht die Möglichkeit, eine RFID-Karte einem Auftrag zuzuteilen. So erhält der Mitarbeiter beim Einlesen der RFID-Auftragskarte automatisch seinen zu bearbeitenden Auftrag und wird strukturiert, schrittweise durch die digitale Checkliste geführt. Das ent lastet ihn kognitiv, so dass er sich auf die wichtigsten Aufgaben im Arbeitsprozess konzentrieren kann. Jeder abgearbeitete Schritt wird dokumentiert und nach Abarbeitung der Checkliste als PDF-Report zusammengestellt (Bild 2). So ist jederzeit nachvollziehbar, wer welche Tätigkeiten durchgeführt hat. Die abschließende elektronische Unterschrift gibt die Möglichkeit, den Report ganz bewusst nochmals zu bescheinigen. Nun werden die Dokumente in der Datenbank sicher nach IT-Security-Richtlinien hinterlegt und alle für die kaufmännischen Prozesse relevanten Informationen zurück an das ERP-System übergeben. Eine statistische Auswertung aller Daten ist mit dem Management Dashboard einfach möglich (Bild 3). Anlagenvisualisierung in Echtzeit PAM spielt seine ganzen Vorteile jedoch dann aus, wenn es via OPC- Schnittstelle die Verbindung zum vorhandenen Prozessleit system (PLS) herstellt. Neben seiner digitalen Checkliste hat der Mitarbeiter vor Ort dann auch Einblick in die Echtzeit-Prozessdaten wie beispielsweise Temperaturanzeigen, Zählerstände oder UV-Stellungen (Bild 3). Alle wichtigen Alarme, und nur diese, werden ebenfalls in einer selektierten Übersicht angezeigt. So kann schnell auf eventuell auftretende Probleme reagiert werden. Dank der PLS-Kopplung, die herstellerunabhängig möglich ist, lassen sich manuelle Arbeitsschritte automatisieren, ein gutes Beispiel: Statt der händischen Eingabe von Auftragswerten am Vorwahlzähler sorgt das System nun automatisch dafür, dass zum richtigen Zeitpunkt die korrekte Menge eingegeben wird. So können Fehler bei der Befüllung, also Über- oder Unterfüllung, vermieden werden. An diesen einfachen Beispielen wird bereits deutlich, wie man mit digitalisierten Prozessen dem Fachkräftemangel begegnen kann. Der Anwender wird an seinem Bediengerät strikt durch den Arbeitsprozess geführt, damit ist das Einarbeiten neuer Mitarbeiter in spezielle Fachbereiche deutlich einfacher. Schritt für Schritt mehr Sicherheit Nicht nur Workflows lassen sich mit dem System gut abbilden, sondern auch rechtliche Vorgaben. Die bereits hinterlegten Gesetze und Fachspezifikationen für den Gefahrguttransport lassen sich zudem flexibel und modular durch Vorgaben aus anderen Fachbereichen ergänzen. Somit kann das System zum Problemlöser in ganz unterschiedlichen Bereichen werden, wo man es mit komplexen Arbeitsprozessen zu tun hat. Für den Gefahrgutbereich ist unter anderem das Europäisches Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR) hinterlegt ebenso wie die Kammerberechnung nach der 80/20-Regel: Aus Sicherheitsgründen darf eine Tankkammer nicht mehr als zu 80 Prozent oder weniger als 20 Prozent gefüllt sein, um durch das Schwappen der Flüssig- Komplexe Abfüllprozesse bei BASF In der Zwischenproduktion der BASF Ludwigshafen wird der Plant Assist Manager (PAM) seit 6 Jahren eingesetzt. Umfangreiche Arbeitsprozesse wurden in detaillierten Checklisten abgebildet von der Tankzugabfüllung bis in das letzte Detail der komplexen Arbeiten mit Gefahrgut. Über 90 verschiedene Produkte werden hier verarbeitet. PAM hilft dabei, die mehr als 120 Checklisten zuverlässig zu verwalten. Daniel Kirschner, Prozessleittechnik BASF, weiß die standardisierten und optimierten Workflows sehr zu schätzen: „In einer Art „Guided Process Operation“ werden Bediener schrittweise durch den Prozess geführt. Im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel und der Tatsache, dass Fachkräfte immer schwieriger zu finden sind, ist die intuitive, einfache und sichere Bedienung dank des Plant Assist Managers natürlich ein großer Vorteil. Einarbeitungszeiten für neue Kollegen konnten wir dadurch deutlich verkürzen.“ In diesem Betrieb der BASF Ludwigshafen arbeiten alle Mitarbeiter an festen Vor-Ort-Bedienstationen, so hat man die Hände frei und kann sich voll auf den Prozess konzentrieren. Den Anwendern war eine Schnittstelle zum PLS wichtig, damit alle prozessrelevanten Daten während eines Arbeitsprozesses in Echtzeit dargestellt werden. Mit PAM können die Anlagenbetreiber nun auf Knopfdruck Analysen erstellen und konkrete Arbeitsprozesse auswerten, indem sie den direkten Zugriff auf alle Daten haben. Daniel Kirschner ist begeistert: „Ebenfalls hilfreich ist das elektronische Reporting. Wir müssen uns nicht mehr mit handschriftlicher Dokumentation herumschlagen und haben keine Medien brüche zwischen Papier- und digitaler Dokumentation mehr. Ein Schmankerl obendrauf für uns, die wir in 24/7-Schichten arbeiten ist natürlich, dass Rösberg uns eine Rundum-die-Uhr-Rufbereitschaft bietet, wenn bei uns Fragen auftreten sollten.“ Einkaufsführer Produktionsautomatisierung 2019 27

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